Das Berliner Nikolaiviertel

August 1st, 2016

Berlin Nikolaiviertel - Ausblick vom Berliner Dom

Das alte Zentrum

Im Nikolaiviertel, an prominenter Stelle auf der Spreeinsel beim Alexanderplatz gelegen, schlägt die Geburtsstunde der Stadt Berlin. Wie viele Stadtbezirke zeugt auch das Nikolaiviertel von der wechselvollen Geschichte der Hauptstadt. Bereits um das Jahr 1230 entstand mit der Fertigstellung der Kirche St. Nikolai, die auch heute noch in veränderter Form den räumlichen Mittelpunkt des Viertels dominiert, eine erste Besiedlung. Die Doppelstädte Berlin und Cölln entstanden auf der jeweils gegenüberliegenden Seite der Spree und entwickelten sich zu prosperierenden Städten, die sich zeitweise auch dem Bund der Hanse anschlossen.

Während sich das Stadtgebiet in den Jahrhunderten intensiv in seiner Weite ausbreitete, blieb dieses alte und zentrale Stadtviertel geprägt von seiner Geschichte: dem Handwerk und dem Handel. Es war gewachsen aus seinen engen und verwinkelten Gassen, in der Mitte dominiert bis heute die rote Backsteinkirche St. Nikolai.

Das Nikolaiviertel – Untergang und Auferstehung

Das Nikolaiviertel konnte die Abrissplanungen der Nationalsozialisten, die es als zu eng, zu baufällig und nicht der “Welthauptstadt Germania” gerecht empfanden zwar noch überstehen, allerdings ging es im Bombenhagel und in den Straßenkämpfen des Zweiten Weltkriegs beinahe komplett unter. Auch in der Nachkriegsplanung der DDR spielte dieses Altstadtgebiet jahrzehntelang keine Rolle. Während man anderswo zerstörte Altstädte wieder aufbaute oder zumindest die wichtigsten Gebäude vor dem Verfall rettete, plante man hier ein neues Hafenbecken für Ausflugsdampfer in komfortabler Lage nahe des Alex.

Erst zu den bevorstehenden Feierlichkeiten zum 750-Jahr-Jubiläum der Stadt Berlin im Jahre 1987 besann man sich stärker auf die Historie der Stadt und beschloss eine Rekonstruktion des Nikolaiviertels als geschäftiges Ausflugsziel mit einem Hotel, vielen gastronomischen und kommerziellen Einrichtungen aber auch mehreren Hundert Wohnungen. Diese Wohnungen sind übrigens bis heute sehr beliebt.

Die Fertigstellung erfolgte rechtzeitig zu den Feierlichkeiten. Der alte Straßengrundriss wurde wieder aufgenommen, die wenigen noch vorhandenen Gebäude wurden restauriert, die überwiegende Mehrheit aber vollständig rekonstruiert bzw. durch Gebäude in Plattenbauweise vervollständigt. Heute lässt sich noch gut sehen, wie man mit Schnörkeln, Giebeln und Ornamenten versuchte, die industriell hergestellten Platten besser in das Ensemble einer Altstadt zu integrieren.
 
Blick auf den Fernsehturm am Alexanderplatz

Spaziergang durch ein ganz spezielles Stadtquartier

Einige für das Nikolaiviertel und die Geschichte der Stadt besonders bedeutsame Gebäude wurden mit großem Aufwand rekonstruiert. Das Ephraim-Palais, ein Rokoko-Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert wurde unter der Verwendung von Originalteilen zwölf Meter fernab des ursprünglichen Standortes wieder aufgebaut. Es beherbergt heute wechselnde Ausstellungen des Berliner Stadtmuseums. Neben dem historisch nachempfundenen Restaurant Zur Rippe wurde auch das Gasthaus Zum Nußbaum, Stammlokal der Künstler Heinrich Zille und Claire Waldoff, dem Original entsprechend wieder errichtet.

Auch das Wohnhaus von Gotthold Ephraim Lessing und das Knoblauchhaus sind bei einem Nikolaiviertel-Rundgang Pflichtpunkte. Das Knoblauchhaus, benannt nach der einflussreichen Familie Knoblauch, beherbergt eine umfangreiche Ausstellung des Stadtmuseums zur Wohnkultur des Biedermeiers und erlaubt anhand von Ausstellungsstücken einen guten Einblick in die fast luxuriöse Lebensweise dieser Epoche. Neben dem in vielen Teilen nach altem Vorbild gelegtem Straßenpflaster sind Statuen, Stadtmöblierung und auch die Straßennamen dem Original nachempfunden und geben einen Eindruck vom alten Flair Berlins.

Für einen Rundgang durch das nur wenige Minuten von unserem Hotel Indigo entfernte Nikolaiviertel ist der Alexanderplatz der beste Ausgangspunkt. Direkt neben dem Roten Rathaus, Sitz des Berliner Oberbürgermeisters, beginnt das kleinteilige Viertel und lädt mit seinen schmucken Ladengeschäften zu einem Bummel ein. Hier ist es anders als in den breiten Straßen der Hauptstadt: Kleine Läden bieten hochwertiges Kunsthandwerk, Cafés auf kleinen Plätzchen laden zum Verweilen ein. Auch ein Besuch in einem Restaurant am Spreeufer, an dem man fernab des Autoverkehrs den Blick auf die Schiffe und das Vibrieren der Großstadt genießen kann, sei vor allem an Tagen mit gutem Wetter unbedingt empfohlen.

Alt und Neu – oder ein bisschen dazwischen

Es empfiehlt sich beim Nikolaiviertel-Rundgang auch immer ein Blick nach ‘oben’, da vor allem an den höher gelegenen Fassadenabschnitten, den Dächern, Fenstern und kleinen Details erkennbar ist, dass dieses Viertel in seiner heutigen Form erst um die drei Jahrzehnte alt ist.

Kurzum ist ein Rundgang durch dieses spezielle Stadtquartier Berlins, den Sie wieder am Alex beenden können, ein besonders empfehlenswertes Ausflugsziel. Einerseits bietet es das Gefühl des alten Berlins, andererseits zeigt es offen auch den Charme des Verlorenen und des später mit viel Mühe wieder Rekonstruierten. All das verbindet sich zu einem funktionierenden Stadtviertel mit einer großen Auswahl an Gastronomiebetrieben, kleinen Läden und mehreren Museen. Eine typische Berliner Mischung.

 

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